Es war Sonntag, ich fuhr von Dortmund nach Aachen und später von Aachen nach Dortmund zurück. Fünf Stunden Zugfahrt für einige Stücke Käsekuchen.
Die Fahrt war ganz ruhig und es passierte nichts, über das es sich zu schreiben lohnte. Auch als plötzlich ein Mann mit ekelhaften Fingernägeln kam, der auf der Flucht vor den Schaffnern war und sich im leeren Waggon natürlich neben mich setzte, auf meine Tasche in der Selbstgebasteltes war. Ich schrie kurz rum aber das störte ihn nicht. Sofort kam auch ein Schaffner hinterher und verwies den Mann des Zuges, nicht ohne ihm vorher einen 40€ Strafzettel mitzugeben. (In diesem Fall behaupte ich normalerweise vor den Kontrolleuren, dass wir uns seit mindestens zehn Minuten kennen und der Mensch neben mir abgesprochenerweise auf meinem Ticket mitfährt. Wer sich aber auf Selbstgebastelte Sachen setzt… Karma.)
Der Schaffner kontrollierte mich und seine Kollegin kam und dann kam das Drama.
Vor mir saßen zwei Engländerinnen, die erklärten dem Schaffner, dass sie in Deutschland und Holland an einer Fundraising-Aktion beteiligt waren. (Sie trugen auch massenweise seltsame Kleidung, gelbe Gummistiefel und Protestshirts.) Sie hatten den Auftrag, eine Woche ohne Geld durch Europa zu reisen, die Service-Dame der Bahn im Kölner HBF hatte den beiden gesagt, sie können ruhig den Zug nehmen, die Bahn findet Charity dufte. Der Schaffner sagte dann im feinsten deutschen Englisch, er sei absolutely sorry but this is not a charity train.
Die beiden Mädels erklärten erneut.
Der Schaffner echauffierte sich erneut.
Das Abteil war relativ leer, ich war die einzige Person in Hörweite und dann sagte der Schaffner den Mädels, sie müssen nun jeweils 40€ Strafe zahlen. In bar.
Pardon? dachte ich mir.
Und er raunte seiner Kollegin zu ’40 für dich, 40 für mich.’
Öhm. Ich suchte versteckte Kameras oder erwartete einen Einwand der Kollegin, aber nein, gar nichts.
Die Engländerinnen erklärten sich erneut, dass sie kein Bargeld dabei hätten weil sie ja an einer bargeldlos-Aktion teilnehmen und sie lediglich eine Notfallkreditkarte besäßen.
Nachdem der Schaffner dann verstanden hatte, dass von den beiden Mädels tatsächlich nichts zu holen sei, zog er wenigstens die Kreditkarte durch sein Gerät und verkaufte den beiden ausnahmsweise ein Wochenendticket für 39€. Mit Beleg. Die beiden Bahnangestellten gingen und hinterließen zwei aufgelöste und weinende Engländerinnen.
Ich setzte mich zu den beiden und entschuldigte mich, dass nicht alle Deutschen so seien wie das fucking asshole von Bahnkontrolleur und das sie gute Chancen hätten, ihr Ticket am Bahnhof noch zu verkaufen. Sie überschlugen sich in britischer Höflichkeit und ich stieg aus.
Liebe Deutsche Bahn, ich gebe euch gerne die Zugdaten um den Schaffner zu ermitteln.
(Off-Topic: Später war ich mit meinen Freunden in der Aachener Innenstadt unterwegs, es waren unter anderem zwei nicht-deutsch sprechende Jungs dabei. Diesen beiden ist am Kiosk der Kauf eines Bieres untersagt worden, an Sonntagen gäbe es keinen Alkohol. Eine Minute später verkaufte der selbe Kioskmann mir und meiner Freundin zwei Bier. Hmm.)






